Moschusochsen im Dovrefjell

Moschusochsen sind Zottelschratze aus der Eiszeit und wenn man sie in Realität sieht, dann fühlt man sich plötzlich klein und unwichtig. Weltweit gibt es zwischen 3.000 und 4.000 von diesen Ziegenartigen (ja, die nächsten Verwandten sind Ziegen und Schafe und Gämsen, nicht die Rinder 😉 ) und sie leben in der arktischen Tundra in Sibirien, Alaska, Grönland und Kanada. Im Dovrefjell Nationalpark wurden die Moschusochsen 1947 erfolgreich wieder angesiedelt und sind mittlerweile so zahlreich vertreten, dass zum Herdenschutz jährlich einige Tiere erlegt werden.

Ich habe den Dovrefjell gemeinsam mit meinem Freund durch eine Moschusochsentour kennengelernt. Theoretisch kann man den Naturschutzpark auch ohne Guide betreten und durchwandern, aber wir hatten nur 6 Stunden in der Nähe des Dovrefjell und wollten auf jeden Fall diesen faszinierenden Tieren in ihrer natürlichen Umgebung begegnen.

„Knut“ unser Guide war freundlich und hat sich lange mit uns auf der Wanderung unterhalten über Cloudberrys, die großen Wälder Deutschlands mit den hohen Bäumen und natürlich über die Moschusochsen und seine Erlebnisse als Tourenguide. Da der Dovrefjell ein Fjell, also ein Hochplateau ist, sind wir zuerst eine Stunde lang durch dichten Birkenwald bergauf gestiegen, bis wir über die Weiten und sanften Bergen des Dovrefjells blicken konnten. P1000658.JPG

Der Boden war mit Moosen und Flechten und dicht über dem Gestein wachsenden Nadelgeflecht bedeckt. Da wir im Juli dort waren, lagen nur auf den Berggipfeln noch Schneeflecken.Das ist nichts im Vergleich zum Winter in dem es bis zu 30 Grad unter Null werden kann und der Schnee alles bedeckt. Die Schönheit des Dovrefjells hat mich tief beeindruckt und ich würde gerne dorthin zurückkehren mit meinem Wanderrucksack und einem Zelt. Durch den Nationalpark führen mehrere Wanderwege, die auch an kleinen Holzhäuschen vorbeilaufen, sodass die Wanderer über Nacht nicht der geballten Kraft der Natur ausgesetzt sein müssen.

Die Moschusochsen passen so gut in die Natur des Dovrefjells, dass wir sie zunächst gar nicht entdecken. Eine kleine Herde mit Kälbern lief auf einem der Berghänge und Knut achtet darauf, dass die Entfernung zu dieser Gruppe möglichst groß blieb. Die Moschusochsen haben im Dovrefjell keine natürlichen Feinde, wenn die Tiere sterben, dann liegt das am Alter, oder daran, dass sie mehr Energie verbrauchen, als sie durch die karge Vegetation wieder aufnehmen können. Wenig später „fanden“ wir zwei alte Bullen, wobei wir nicht lange suchen mussten. Eine Gruppe Touristen hatte sich den Tieren bis auf 50-70 Meter genährt und die beiden alten Tiere trotteten gemächlich vor den Menschen mit ihren Walkingstöckern und Fotoapparaten davon.

Knut erklärt uns, dass ein Abstand von 200 Metern zu den Tieren empfohlen wird, da die Moschusochsen nicht gut auf Überraschung und Bedrängung reagieren. Letztes Jahr habe es einen Mann gegeben, der mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden musste, weil er das perfekte Bild schießen wollte. Der Mann hatte Glück und überlebte den Angriff, aber als ich mir die Hörner der Moschusochsen genauer ansah, wurde mir ein bisschen mulmig. Ich bin froh, dass wir mit einem Guide unterwegs waren. Dieser wartete geduldig, bis sich die Touristen geschlagen gaben und weiter zogen. Die Moschusochsen waren nicht mehr zu sehen. Knut führte uns weiter durch den Fjell und ließ uns an einem kleinen Hügel kurz warten. Dann winkte er uns nachzukommen, der Wind stand gegen uns und als wir oben waren gestikulierte Knut ein paar Zeichen zum hinlegen. Wir spähten über das Nadelgestrüpp und da lagen die beiden Bullen seelenruhig und keine 100 Meter von uns entfernt- ein großartiger Moment!P1000733

Da sich die beiden Alten nicht aus der Ruhe bringen ließen, als Knut sein Teleskopfernglas aufbaute und nicht mal zu uns hinsahen, als Knut die Thermoskannen mit Kaffee auspackte, beschlossen wir uns normal hinzusetzen und die Mittagspause direkt neben den Moschusochsen zu machen. Der Wind war scharf und kalt, aber wir hatten warme Jacken an und einen heißen Kaffee- Becher in der Hand und konnten in aller Ruhe die Kälber aus der zweiten Gruppe durch das Fernglas betrachten.

Zur Stärkung gab es für alle, die probieren wollten Moschusochsensalami mit Fleisch von den Tieren, die jedes Jahr im Dovrefjell geschossen werden. „Ein bisschen perfide“, merkte mein Freund an, „die beiden chillen hier direkt neben uns und wir essen ihre Verwandten.“ Aber die Salami hat ihm so gut geschmeckt, dass er sich gleich noch ein Stückchen nach nahm. „Andererseits ist das hier wirklich mal artgerechte Tierhaltung. Und geschossen werden die Tiere sowieso- dann kann man auch so köstliches Essen daraus herstellen.“P1000728

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