Eine Wohnung, zwei Katzen, drei Kaninchen, vier Mädchen

C. kam kurz vor der nächsten Fütterung von der Arbeit nach Hause. Sie wurde mit den Worten „Ganz leise! Komm mit in L.s Zimmer!“ begrüßt. Mit besorgt gerunzelter Stirn folgte sie mir, aber als sie die Transportkiste sah, hellte sich ihr Gesicht sofort wieder auf. „Oh, was ist da drin?“ L. betrat mit der warmen Milch und dem Popo-Lappen das Zimmer. „Das sind unsere zwei Kaninchen und sie werden überleben!“, L. hatte ein Ziel und war nicht bereit ein anderes Ergebnis anzunehmen. C. presste die Lippen zusammen und nickte: „Gut.“

Wir waren drei Mädchen mit einem Plan. L. und ich zeigten C. das Fütterungsprozedere und bei dem zweiten Jungtier übernahm C. die Gabe der Milch während L. das Tier auf ihrem Arm fixierte. Zu zweit war das Füttern einfacher als allein. Wenn man die Kaninchenjungtiere auf dem Arm hält, das Kaninchen mit einer Hand an den Oberkörper gepresst und mit der anderen Hand versucht den Milchnuckel in den kleinen Mund anzudocken, dann ist das wahre friemel Arbeit. Der Nuckel verrutscht, das Kaninchen zieht immer wieder den Kopf weg und versucht sich in der Achselhöhle zu vergraben. Die Sorge, dass das Tier nicht richtig schluckt oder man im Eifer des Gefechts zuviel Milch auf die Nase ampliziert, sitzt einem die gesamte Fütterung im Nacken.

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Nach einer Stunde ließen wir unsere Bemühungen erneut fallen und setzten die Kaninchen zurück in ihre Tragbox um selbst ein wenig Schlaf zu bekommen. L. bestand darauf die Fütterung um 4 Uhr morgens allein zu bestreiten und die Transportbox danach in A.s Zimmer zu stellen. A. war als Katzensitterin bei ihrer Mutter eingestellt und somit hatten wir ihr Zimmer zu freien Verfügung.

Als ich schlaftrunken um 6 Uhr morgens aufstand und gemeinsam mit C. zu den Kaninchen taperte, wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie privilegiert wir waren, dass wir uns die Aufzucht aufteilen konnten. Milch aufwärmen, Füttern, Popo abwischen, Bauchmassage. Der bange Moment vor jeder Fütterung bevor man sieht, dass beide Kaninchen noch leben. Gegen mittag bekam ich einen Anruf von der Arbeit. „Wir haben ein drittes Kaninchen gefunden. Nimmst du das auch?“15748681_1206955122722538_1629363443_o.png

Die drei Kleinen kosteten uns den gesamten nächsten Tag. Wir saßen in A.s Zimmer und unterhielten uns flüsternd. Die Heizung war voll aufgedreht und alle paar Stunden versuchten wir zu dritt und mit stoischer Geduld die Kaninchen zum Essen zu bewegen. Wir redeten mit Engelszungen auf die Kleinen ein und im Flur jammerten unsere Katzen. Spannende Dinge passierten in einem Zimmer in das sie nicht mit hinein durften.

A. kam am frühen Abend wieder und fand uns übermüdet auf ihrem Bett wieder. Ihr Gesicht war göttlich, da sie weder über die Kaninchen bescheid wusste, noch die Transportkiste gesehen hatte. Wahrscheinlich dachte sie, dass wir nun vollständig verrückt geworden sind. Ich winkte leicht mit der Hand: „Wir sind jetzt zu neunt. Zwei Katzen, drei Kaninchen und vier Mädchen.“

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