Der Anfang der #KaninchenWG

Am 02.10.2016 wurde mir eine Transportkiste auf den Schreibtisch gestellt mit den Worten: „Nimm sie, oder wir verfüttern sie.“ Ein Satz der zunächst recht harsch und herzlos kling- besonders, wenn man einen Blick auf die zwei Pelzkugeln im Inneren der Box geworfen hatte. Schwarze Knopfaugen, ein Babygesicht und kleine Ohren lugten unter einem Berg von Stroh hervor. 15064260_1160238304060887_674328115_oIch verzog das Gesicht und wusste nicht recht, was ich sagen sollte. Ich hatte schon seit längerer Zeit mit einer Handaufzucht gerechnet. Jetzt standen zwei Wildkaninchen bei mir auf dem Schreibtisch und mein Biologengehirn erfasste mit kalter analytischer Sicherheit: „R-Strategen, Überpopulation und eine gute Fuchs- Mahlzeit“. Während ich das dachte, reckte sich eines der Fellknäuel und zeigte mit einem Gähnen seine winzigen Nagezähne. Mein Herz setzte einen Schlag aus. „Kann die niemand anderes nehmen?“ „Nein.“ „Okay.“ Meine Gehirn versuchte eine lange Liste an Bedenken zu äußern, wurde aber von meinen Muttergefühlen überrannt.  Ich war mit einem knappen Wort Kaninchenmami geworden und Kaninchenmamis lassen nicht zu, dass ihre Kaninchenbabys verfüttert werden!

Es stellte sich herraus, dass die Mutter der Kleinen beim Ausmisten der Stallungen einen gewaltsamen Tod gefunden hatte. Auch ein weiteres Jungtier aus dem Wurf mussten meine Kollegen bereits von seinen Qualen erlösen und im Stillen waren meine Kollegen froh, dass sie nicht noch weitere gesunde Tiere töten mussten.

„L. es ist pa15726114_1206783086073075_1138707536_ossiert- wir sind Eltern geworden!“ L. machte mir die WG-Tür auf und zog ihre Augenbrauen hoch. „Oh Boy!“, sagte sie nur und scheuchte die beiden Katzen aus dem Weg, „na dann lass mal ansehen.“ Wir setzten uns auf den Fußboden in ihr Zimmer und verschlossen sorgsam die Tür bevor wir jeder einen Kleinen aus der Transportkiste herausnahmen. „Das ist ja nur eine handvoll Kaninchen.“, witzelte L. und ich war dankbar, dass meine Bedenken so einfach weggelacht werden konnten. Nicht jede WG nimmt es so leicht, wenn einer der Mitbewohner ohne Ankündigung Tiere mitbringt. Wir hatten bereits beim Zusammenziehen festgelegt, dass wir zwar kein Leben ohne Haustiere führen werden, aber Kleintiere und Papageien „hard limits“ für die anderen Mädels sind. Dementsprechend nervös war ich den Rest des Arbeitstages. Ich würde Kaninchen mitbringen und dann auch noch sehr arbeitsintensive Kaninchen. L. schaute sich das Fellknäuel in ihrer Hand genau an und warf mir einen Blick zu: „Trinken sie?“

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